Wie integrierte Sicherheitsplattformen den Betrieb moderner Veranstaltungsstätten unterstützen – das SoFi-Stadium als Praxisbeispiel
Internationale Sportveranstaltungen, Konzerte und andere Großevents stellen Betreiber von Stadien und Veranstaltungsarenen vor immer komplexere sicherheitstechnische Herausforderungen. Innerhalb weniger Stunden müssen zehntausende Besucher sicher auf das Gelände gelangen, Lieferverkehre koordiniert, Zufahrten überwacht und sensible Bereiche wie Technikräume, Medienzonen oder VIP-Bereiche geschützt werden. Gleichzeitig erzeugen Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Kennzeichenerkennung und zahlreiche weitere Systeme kontinuierlich sicherheitsrelevante Informationen, die im Ereignisfall schnell bewertet und miteinander in Beziehung gesetzt werden müssen.
Die eigentliche Herausforderung liegt heute deshalb häufig weniger in der Erfassung dieser Daten als vielmehr in ihrer Zusammenführung. Nur wenn Informationen aus unterschiedlichen Sicherheitsgewerken in einem gemeinsamen Kontext verfügbar sind, entsteht ein Lagebild, das fundierte Entscheidungen unterstützt und Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit entlastet.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch im State of Physical Security Report 2026 von Genetec wider. Für die internationale Studie wurden mehr als 7.300 Fachleute aus sechs Weltregionen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Organisationen physische Sicherheit zunehmend als bereichsübergreifende Aufgabe verstehen, die eng mit IT, Cybersecurity und betrieblichen Prozessen verzahnt ist. Gleichzeitig setzt sich der Trend fort, bislang getrennte Systeme wie Videomanagement, Zutrittskontrolle oder automatische Kennzeichenerkennung auf gemeinsamen Plattformen zu betreiben, um Abläufe zu vereinfachen und Informationen zentral bereitzustellen.
Ein aktuelles Praxisbeispiel für diese Entwicklung ist das SoFi Stadium im kalifornischen Inglewood. Gemeinsam mit dem angrenzenden Hollywood Park hat der Betreiber seine Sicherheitsinfrastruktur auf einer zentralen Plattform konsolidiert und unterschiedliche Sicherheitsgewerke in einer gemeinsamen Leitstellenumgebung zusammengeführt.
Ein Veranstaltungsstandort mit besonderen Anforderungen
Das SoFi Stadium zählt zu den größten und modernsten Sport- und Veranstaltungsstätten Nordamerikas. Die Arena verfügt über rund 70.000 Sitzplätze und kann ihre Kapazität bei Großveranstaltungen auf mehr als 100.000 Besucher erweitern. Sie ist Heimstadion der NFL-Teams Los Angeles Rams und Los Angeles Chargers und wird regelmäßig für internationale Konzerte sowie weitere Großveranstaltungen genutzt. Im Sommer 2026 war das Stadion Austragungsort mehrerer Spiele der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft, zudem wird es bei den Olympischen Sommerspielen 2028 als Wettkampfstätte dienen.
Das Stadion bildet den Mittelpunkt des Hollywood Parks, eines rund 1,2 Millionen Quadratmeter großen Areals mit Büroflächen, Einzelhandel, Gastronomie, Hotels, Veranstaltungsbereichen und öffentlichen Freiflächen. Damit reicht das Sicherheitsmanagement weit über den eigentlichen Stadionbetrieb hinaus. Unterschiedliche Gebäude, Zufahrten und Nutzungsbereiche müssen ebenso überwacht werden wie Besucherströme, Lieferverkehre oder Betriebsabläufe auf dem gesamten Gelände.
Gerade solche großflächigen Standorte verdeutlichen die Grenzen klassischer Insellösungen. Werden Videoüberwachung, Zutrittskontrolle oder weitere Systeme unabhängig voneinander betrieben, müssen Mitarbeitende häufig zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln, um sich ein vollständiges Bild der Lage zu verschaffen. Mit zunehmender Größe einer Liegenschaft steigt dadurch sowohl der organisatorische Aufwand als auch die Komplexität im täglichen Betrieb.
Vereinheitlichung der Sicherheitsinfrastruktur
Vor diesem Hintergrund entschied sich der Betreiber des SoFi Stadiums gemeinsam mit dem Hollywood Park für die Einführung des Genetec Security Center als zentrale Plattform für das physische Sicherheitsmanagement. Ziel war es, unterschiedliche Sicherheitsgewerke innerhalb einer gemeinsamen Softwareumgebung zusammenzuführen und dadurch sowohl den täglichen Betrieb als auch die Reaktion auf außergewöhnliche Ereignisse zu unterstützen.
Über die Plattform werden heute nach Angaben von Genetec mehr als 3.000 Videokameras, rund 700 Zutrittsleser, Systeme zur automatischen Kennzeichenerkennung (Automatic License Plate Recognition – ALPR) sowie weitere Sensoren und sicherheitstechnische Komponenten verwaltet. Die Überwachung erfolgt aus drei Sicherheitsleitstellen, von denen aus sowohl das Stadion als auch der gesamte Hollywood Park betrieben werden.
Anstatt Informationen aus mehreren Anwendungen zusammenführen zu müssen, stehen den Sicherheitsmitarbeitenden sämtliche relevanten Daten innerhalb einer gemeinsamen Benutzeroberfläche zur Verfügung. Ereignisse können dadurch schneller eingeordnet und Zusammenhänge leichter erkannt werden.
Nick Bermensolo, Vice President of Security and Safety im SoFi Stadium und Hollywood Park, beschreibt den praktischen Nutzen der Plattform wie folgt:
„Genetec Security Center hat unsere Reaktionszeiten verbessert, da wir nun alle notwendigen Informationen auf einer einzigen Plattform erhalten. So können wir die Situation schnell erfassen und umgehend Entscheidungen treffen.“
Neben der Unterstützung außergewöhnlicher Einsatzlagen spielt auch der tägliche Betrieb eine wichtige Rolle. Eine gemeinsame Plattform ermöglicht es, Videoüberwachung, Zutrittskontrolle und weitere sicherheitsrelevante Informationen in einer einheitlichen Arbeitsumgebung bereitzustellen. Dadurch lassen sich Bedienabläufe vereinheitlichen und Informationen schneller im Zusammenhang bewerten.
Integration als organisatorische Aufgabe
Die Konsolidierung verschiedener Sicherheitssysteme ist damit nicht ausschließlich ein technisches Projekt. Sie verändert zugleich die Arbeitsweise der Sicherheitsorganisation. Statt einzelne Gewerke unabhängig voneinander zu verwalten, stehen zunehmend übergreifende Prozesse und ein gemeinsames Lagebild im Mittelpunkt.
Insbesondere auf großflächigen Veranstaltungsarealen mit wechselnden Nutzungsszenarien kann eine integrierte Sicherheitsplattform dazu beitragen, Koordinationsaufwand zu reduzieren und Entscheidungswege zu verkürzen. Das SoFi Stadium zeigt damit exemplarisch, wie sich physische Sicherheit zunehmend von einer Sammlung einzelner Systeme zu einer vernetzten Betriebsinfrastruktur entwickelt.
IT und Sicherheitsbetrieb wachsen zusammen
Mit der Einführung einer gemeinsamen Sicherheitsplattform veränderte sich im Hollywood Park jedoch nicht nur die technische Infrastruktur, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsorganisation und IT. Moderne Sicherheitslösungen bestehen heute längst nicht mehr ausschließlich aus Kameras, Zutrittslesern oder Leitstellenarbeitsplätzen. Sie sind Teil einer komplexen IT-Landschaft, deren Leistungsfähigkeit von einer stabilen Netzwerkarchitektur, leistungsfähigen Servern und einer sicheren Datenkommunikation abhängt.
Das SoFi Stadium betreibt das Genetec Security Center nach Unternehmensangaben in einer isolierten Netzwerkumgebung, die mit zentralen Servern verbunden ist. Während Großveranstaltungen überwacht das IT-Team die Systemleistung kontinuierlich aus dem Network Operations Center und stellt sicher, dass sämtliche Anwendungen zuverlässig arbeiten. Dadurch können sich die Sicherheitsverantwortlichen auf die operative Einsatzführung konzentrieren, während die IT-Abteilung den technischen Betrieb im Hintergrund absichert.
Für Paul Maldonado, Vice President of IT Infrastructure and Operations im SoFi Stadium und Hollywood Park, war diese enge Zusammenarbeit ein wesentlicher Bestandteil des Projekts:
„Das Team von Genetec bringt nicht nur Expertise in physischer Sicherheit mit, sondern auch für IT-Systeme. Auf diese Weise konnten wir eine zuverlässige und leistungsstarke Sicherheitsplattform in großem Maßstab implementieren.“
Dass IT und physische Sicherheit heute enger zusammenarbeiten, zeigt auch der State of Physical Security Report 2026. Die Studie verdeutlicht, dass Sicherheitsverantwortliche physische Sicherheit zunehmend als bereichsübergreifende Unternehmensfunktion betrachten. Themen wie Cybersecurity, Netzwerkmanagement und Systemverfügbarkeit spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie klassische Sicherheitsaufgaben. Gleichzeitig gewinnen offene Plattformarchitekturen an Bedeutung, da sie bestehende Systeme einfacher integrieren und zukünftige Erweiterungen ermöglichen.
Ein gemeinsames Lagebild für schnellere Entscheidungen
Der eigentliche Mehrwert integrierter Sicherheitsplattformen liegt jedoch nicht allein in ihrer technischen Architektur, sondern vor allem in ihrer Fähigkeit, Informationen unterschiedlicher Systeme in einem gemeinsamen Zusammenhang bereitzustellen.
Gerade bei Großveranstaltungen müssen Entscheidungen häufig innerhalb weniger Sekunden getroffen werden. Einzelne Kamerabilder oder Zutrittsereignisse reichen dafür oft nicht aus. Erst die Verknüpfung verschiedener Informationen ermöglicht ein umfassendes Lagebild und unterstützt Sicherheitsmitarbeitende dabei, Ereignisse schneller einzuordnen.
Im SoFi Stadium werden deshalb Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, automatische Kennzeichenerkennung sowie weitere Sensoren über eine gemeinsame Bedienoberfläche verwaltet. Sicherheitsmitarbeitende erhalten dadurch einen zentralen Überblick über sicherheitsrelevante Ereignisse, ohne zwischen unterschiedlichen Anwendungen wechseln zu müssen.
Nach Angaben des Betreibers trägt diese Zusammenführung dazu bei, Reaktionszeiten zu verkürzen und Entscheidungen auf einer gemeinsamen Informationsbasis zu treffen. Gleichzeitig profitieren auch die täglichen Betriebsabläufe, da Administration und Überwachung verschiedener Systeme innerhalb einer Plattform erfolgen.
Für großflächige Veranstaltungsareale wie den Hollywood Park mit seinen unterschiedlichen Nutzungsbereichen – vom Stadion über Parkhäuser bis hin zu Gastronomie-, Büro- und Veranstaltungsflächen – erleichtert eine zentrale Sicherheitsplattform zudem die Koordination des laufenden Betriebs.
Plattformstrategie statt Einzellösungen
Mit der Einführung des Security Centers betrachten das SoFi Stadium und der Hollywood Park ihre Sicherheitsinfrastruktur nicht als abgeschlossenes Projekt. Vielmehr bildet die Plattform die Grundlage für eine schrittweise Weiterentwicklung der Sicherheitsprozesse.
Nach Angaben von Genetec arbeiten Betreiber und Technologiepartner bereits daran, zusätzliche Automatisierungsfunktionen zu realisieren und KI-gestützte Werkzeuge zu evaluieren. Konkrete Einsatzszenarien wurden bislang nicht veröffentlicht. Ziel sei es jedoch, die bestehende Plattform kontinuierlich weiterzuentwickeln und an zukünftige Anforderungen in den Bereichen Netzwerktechnik, Cybersecurity und Betriebsorganisation anzupassen.
Paul Maldonado beschreibt diesen langfristigen Ansatz wie folgt:
„Genetec hat uns wirklich dabei geholfen, einen Technologiestandard zu etablieren. Genetec Security Center ist zuverlässig und IT-sicher, lässt sich gut in unser Netzwerk integrieren und reduziert den Aufwand sowohl für die IT als auch für den Sicherheitsbereich. Genau auf solche Technologien wollen wir auch künftig unternehmensweit setzen.“
Die Aussagen verdeutlichen, dass Betreiber großer Veranstaltungsstätten heute zunehmend auf skalierbare Plattformen setzen, die sich an zukünftige Anforderungen anpassen lassen. Anstelle einer isolierten Weiterentwicklung einzelner Sicherheitskomponenten rückt damit der kontinuierliche Ausbau einer gemeinsamen Infrastruktur in den Mittelpunkt.
Fazit
Das Beispiel des SoFi Stadiums zeigt, wie sich physische Sicherheit bei großen Veranstaltungsstätten zunehmend zu einer integrierten Managementaufgabe entwickelt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht mehr die isolierte Betrachtung einzelner Gewerke wie Videoüberwachung oder Zutrittskontrolle, sondern deren Zusammenführung innerhalb einer gemeinsamen Plattform.
Ebenso deutlich wird die wachsende Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsorganisation und IT. Netzwerkarchitektur, Systemverfügbarkeit und Cybersecurity sind heute wesentliche Voraussetzungen für den zuverlässigen Betrieb moderner Sicherheitslösungen. Gleichzeitig schaffen offene Plattformen die Grundlage dafür, neue Technologien und zusätzliche Funktionen schrittweise in bestehende Infrastrukturen zu integrieren.
Das SoFi Stadium liefert damit ein praxisnahes Beispiel dafür, wie sich Sicherheitsprozesse auf weitläufigen Veranstaltungsarealen vereinheitlichen lassen. Weniger die Einführung einzelner Technologien als vielmehr deren Zusammenspiel innerhalb einer gemeinsamen Systemlandschaft steht dabei im Mittelpunkt. Für Betreiber komplexer Liegenschaften zeigt das Projekt, dass integrierte Sicherheitsplattformen nicht nur die operative Lagebeurteilung unterstützen, sondern auch organisatorische Abläufe vereinfachen und die Grundlage für die Weiterentwicklung physischer Sicherheit schaffen können.
[DCM]


