Sicherheit zwischen Resilienz und Verteidigung

Juli 24, 2026

Wie sich die Security Essen 2026 als Spiegel einer Branche im Wandel neu positioniert

Noch vor wenigen Jahren wurde die Sicherheitsbranche vor allem mit Einbruchmeldetechnik, Videoüberwachung und Zutrittskontrolle in Verbindung gebracht. Heute hat sich das Aufgabenfeld deutlich erweitert. Geopolitische Krisen, hybride Bedrohungen, der Schutz Kritischer Infrastrukturen, neue regulatorische Anforderungen sowie der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz verändern die Sicherheitswirtschaft grundlegend. Gefragt sind längst nicht mehr nur leistungsfähige Einzelprodukte, sondern ganzheitliche Sicherheitsstrategien, die physische und digitale Schutzmaßnahmen intelligent miteinander verbinden.

Die Security Essen 2026 greift diese Entwicklung auf. Vom 22. bis 25. September präsentiert sie sich nicht nur als internationale Fachmesse für Sicherheitstechnik, sondern zunehmend als Plattform für die strategischen Zukunftsfragen der Branche. Im Mittelpunkt stehen weniger einzelne Produktpremieren als vielmehr die Frage, wie Sicherheit unter den veränderten gesellschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen künftig organisiert werden kann.

Bereits die Themen der diesjährigen Veranstaltung zeigen diesen Anspruch. Neben Zutrittskontrolle, Videoüberwachung und Einbruchschutz rücken Künstliche Intelligenz, Robotik, Leitstellen, Cybersecurity, der Schutz Kritischer Infrastrukturen sowie Bevölkerungsschutz und Resilienz stärker in den Fokus. Damit spiegelt die Messe einen tiefgreifenden Wandel wider, der derzeit nahezu alle Bereiche der Sicherheitswirtschaft erfasst.

Eine Branche zwischen Digitalisierung und Resilienz

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie eng wirtschaftliche Stabilität und Sicherheit inzwischen miteinander verbunden sind. Angriffe auf Energieversorger, Rechenzentren oder Verkehrsnetze, zunehmende Cyberangriffe sowie die Folgen internationaler Konflikte haben das Sicherheitsverständnis vieler Unternehmen nachhaltig verändert. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben wie die NIS2-Richtlinie, der Cyber Resilience Act oder das geplante KRITIS-Dachgesetz, die Sicherheitsverantwortliche vor neue organisatorische und technische Herausforderungen stellen.

Vor diesem Hintergrund beschreibt Julia Jakob, Projektleiterin der Security Essen, die Messe als Spiegel einer Branche, deren Aufgaben sich deutlich verändert haben. Themen wie Künstliche Intelligenz, Robotik, KRITIS, Bevölkerungsschutz und die stärkere Vernetzung physischer und digitaler Sicherheitssysteme prägten heute die Diskussionen ebenso wie klassische Sicherheitstechnik. Damit werde deutlich, dass Sicherheit längst nicht mehr isoliert betrachtet werden könne, sondern immer stärker Teil einer umfassenden Resilienzstrategie werde.

Diese Entwicklung lässt sich inzwischen in nahezu allen Marktsegmenten beobachten. Während früher häufig einzelne Gewerke unabhängig voneinander geplant wurden, erwarten Betreiber heute integrierte Sicherheitslösungen, die unterschiedliche Systeme miteinander verbinden und Informationen zentral verfügbar machen. Sicherheit wird damit zunehmend zu einer Managementaufgabe, die organisatorische Prozesse ebenso umfasst wie technische Systeme.

Physische Sicherheit erlebt eine Renaissance

Besonders auffällig ist dabei die veränderte Wahrnehmung der physischen Sicherheit. Über Jahre dominierten Digitalisierung und Cybersecurity die öffentliche Diskussion. Heute rücken Gebäude, Produktionsstandorte, Rechenzentren und Kritische Infrastrukturen wieder stärker in den Mittelpunkt.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Sabotageakte, hybride Bedrohungen und die gestiegenen Anforderungen an den Schutz sensibler Einrichtungen haben das Bewusstsein für physische Sicherheitsmaßnahmen deutlich geschärft. Gleichzeitig erkennen Unternehmen zunehmend, dass Cyber- und physische Sicherheit nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Ein Angriff auf eine digitale Infrastruktur kann ebenso gravierende Auswirkungen haben wie ein physischer Sabotageakt – und umgekehrt.

Diese Entwicklung beobachtet auch Jens Hartmann, Vice President Sales Continental Europe, Africa and Global Accounts bei Advancis. Aus seiner Sicht wird physische Sicherheit heute zunehmend auf strategischer Unternehmensebene diskutiert. Regulatorische Anforderungen und geopolitische Entwicklungen führten dazu, dass Sicherheitsleitstellen nicht mehr nur einzelne Ereignisse überwachen, sondern unternehmensweite Sicherheitsprozesse koordinieren und unterschiedliche Informationsquellen in einem gemeinsamen Lagebild zusammenführen.

Damit verändert sich auch das Verständnis moderner Leitstellen. Statt isolierter Alarmbearbeitung stehen heute integrierte Plattformen im Mittelpunkt, die Einbruchmeldetechnik, Zutrittskontrolle, Videoanalyse, Gebäudeautomation und organisatorische Abläufe miteinander verknüpfen. Ziel ist es, Sicherheitsverantwortlichen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten und gleichzeitig komplexe Prozesse effizienter zu steuern.

Der Markt bleibt auf Wachstumskurs

Die wirtschaftliche Entwicklung bestätigt diese Veränderungen. Nach Angaben des BHE Bundesverband Sicherheitstechnik konnte die elektronische Sicherheitstechnik auch 2025 weiter wachsen. Besonders dynamisch entwickelten sich die Bereiche Zutrittssteuerung und Videosicherheit, während Brandmeldetechnik und Sprachalarmierung ebenfalls stabile Zuwächse verzeichneten. Gleichzeitig planen zahlreiche Fachunternehmen zusätzliche Einstellungen – ein Indiz dafür, dass die Nachfrage nach professionellen Sicherheitslösungen weiterhin hoch bleibt.

Für Christian Becker, Geschäftsführer des BHE, ist diese Entwicklung Ausdruck eines grundlegenden Strukturwandels. Der Schutz Kritischer Infrastrukturen, der Ausbau von Rechenzentren sowie steigende regulatorische Anforderungen führten dazu, dass Sicherheit heute deutlich früher in Planungs- und Investitionsentscheidungen berücksichtigt werde. Gleichzeitig nehme die Bedeutung ganzheitlicher Sicherheitskonzepte weiter zu. Europäische Vorgaben wie der Cyber Resilience Act, die Bauproduktenverordnung oder der digitale Produktpass erhöhten zwar den Aufwand für Hersteller und Errichter, stärkten jedoch langfristig Qualität, Transparenz und Vertrauen in sicherheitsrelevante Systeme.

Diese Entwicklung dürfte auch die Security Essen 2026 prägen. Denn die Messe zeigt nicht nur neue Technologien, sondern macht sichtbar, wie sich die Sicherheitswirtschaft insgesamt verändert: weg von isolierten Einzellösungen, hin zu vernetzten Sicherheitsökosystemen, in denen Technik, Organisation und regulatorische Anforderungen immer stärker zusammenwachsen.

Integration statt Insellösungen

Ein Begriff zog sich wie ein roter Faden durch nahezu alle Beiträge der Pressekonferenz: Integration. Gemeint ist damit weit mehr als die technische Vernetzung einzelner Systeme. Vielmehr verändert sich das Verständnis moderner Sicherheitsarchitekturen grundlegend. Wo früher Einbruchmeldetechnik, Zutrittskontrolle, Videoüberwachung oder Brandmeldesysteme weitgehend unabhängig voneinander betrieben wurden, entstehen heute integrierte Plattformen, auf denen Informationen zentral zusammenlaufen und gemeinsam ausgewertet werden.

Treiber dieser Entwicklung sind zum einen die gestiegenen Anforderungen an den Schutz Kritischer Infrastrukturen und komplexer Unternehmensstandorte, zum anderen die zunehmende Digitalisierung betrieblicher Prozesse. Sicherheitsverantwortliche benötigen heute vollständige Lagebilder, um Ereignisse schnell bewerten und Entscheidungen fundiert treffen zu können. Isolierte Einzellösungen stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen.

Dass dieser Wandel inzwischen nahezu alle Bereiche der Sicherheitswirtschaft erfasst, zeigte sich auch an den Beiträgen der Industrievertreter. Obwohl die Unternehmen unterschiedliche Marktsegmente bedienen, beschrieben sie letztlich dieselbe Entwicklung: Sicherheitslösungen müssen heute offen, vernetzbar und flexibel sein, damit sie sich in bestehende Prozesse integrieren lassen und langfristig erweiterbar bleiben. Produkte stehen damit nicht mehr für sich allein, sondern werden Teil umfassender Sicherheitsökosysteme.

Für Axel Schmidt, Beiratsvorsitzender der Security Essen und Vorstandsvorsitzender des BHE, ist genau diese Entwicklung kennzeichnend für den aktuellen Wandel der Branche. Themen wie KRITIS, integrierte Sicherheitsprozesse und ein ganzheitliches Sicherheitsverständnis bestimmten zunehmend die Anforderungen von Betreibern und würden deshalb auch die diesjährige Messe prägen.

Künstliche Intelligenz wird zum Werkzeug

Kaum ein Begriff wird derzeit in der Sicherheitsbranche häufiger verwendet als Künstliche Intelligenz. Dennoch fiel auf, dass die Diskussion auf der Security Essen deutlich sachlicher geführt wird als noch vor wenigen Jahren. KI wird zunehmend nicht mehr als eigenständige Innovation verstanden, sondern als Werkzeug innerhalb bestehender Sicherheitsprozesse.

Ihr größter Nutzen liegt weniger in spektakulären Anwendungen als vielmehr darin, Sicherheitsverantwortliche bei Routineaufgaben zu entlasten. Moderne Algorithmen können große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen analysieren, Auffälligkeiten erkennen oder Handlungsempfehlungen vorbereiten. Die eigentliche Entscheidung bleibt jedoch weiterhin beim Menschen.

Voraussetzung dafür sind qualitativ hochwertige Daten sowie interoperable Systeme, die Informationen aus unterschiedlichen Gewerken zusammenführen können. Erst wenn Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Sensorik, Gebäudeautomation oder Leitstellenplattformen miteinander kommunizieren, kann KI ihr Potenzial tatsächlich entfalten. Damit wird deutlich: Nicht künstliche Intelligenz allein entscheidet über den Erfolg zukünftiger Sicherheitskonzepte, sondern ihre Einbettung in durchgängige Prozesse und eine leistungsfähige Systemarchitektur.

Diese Sichtweise markiert einen wichtigen Reifeprozess der Branche. Nach einer Phase großer Erwartungen rückt nun der praktische Nutzen in den Vordergrund. Für Betreiber zählt letztlich nicht, ob eine Lösung auf KI basiert, sondern ob sie Sicherheitsprozesse messbar verbessert, Fehlalarme reduziert oder Entscheidungswege beschleunigt.

Sicherheit wird zur Managementaufgabe

Parallel dazu verändert sich auch die organisatorische Bedeutung von Sicherheit. Während Investitionen früher häufig von einzelnen Fachabteilungen initiiert wurden, beschäftigen sich heute zunehmend Geschäftsführungen und Vorstände mit Fragen der Sicherheitsstrategie. Auslöser sind nicht nur gestiegene Bedrohungen, sondern auch umfangreiche gesetzliche Anforderungen und Haftungsfragen.

Gerade Betreiber Kritischer Infrastrukturen müssen nachweisen, dass Risiken systematisch bewertet und geeignete Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Sicherheit entwickelt sich damit immer stärker zu einer unternehmerischen Querschnittsaufgabe, die Technik, Organisation und Compliance gleichermaßen umfasst. Diese Entwicklung erklärt auch, warum Themen wie Governance, Resilienz und Business Continuity auf der Security Essen inzwischen ebenso präsent sind wie klassische Sicherheitstechnik.

Zwischen ziviler Sicherheit und Verteidigung

Die wohl auffälligste Neuerung der Security Essen 2026 betrifft jedoch nicht einzelne Technologien, sondern die strategische Ausrichtung der Veranstaltung selbst. Erstmals wird die Messe durch die parallel stattfindende Euro Defense Expo (EUDEX) ergänzt. Damit reagieren die Veranstalter auf eine Entwicklung, die sich in Europa seit einigen Jahren immer deutlicher abzeichnet: Die Grenzen zwischen ziviler Sicherheit, Bevölkerungsschutz und verteidigungsrelevanten Fragestellungen werden zunehmend fließend.

Aus Sicht der Messe ist dieser Schritt konsequent. Der Schutz Kritischer Infrastrukturen, Resilienz, Krisenvorsorge oder die Absicherung logistischer Versorgungsketten betreffen längst nicht mehr ausschließlich zivile Einrichtungen. Viele Technologien lassen sich sowohl im zivilen als auch im militärischen Umfeld einsetzen. Dual-Use-Anwendungen gewinnen deshalb kontinuierlich an Bedeutung.

Gleichzeitig markiert diese Entwicklung einen tiefgreifenden Wandel des Messeprofils. Über Jahrzehnte galt die Security Essen als internationale Leitmesse der zivilen Sicherheitswirtschaft. Nun öffnet sie sich bewusst angrenzenden Themenfeldern, die noch vor wenigen Jahren kaum Bestandteil einer klassischen Sicherheitsmesse gewesen wären.

Gerade darin liegt jedoch auch eine Herausforderung. Die Sicherheitswirtschaft ist traditionell eine vergleichsweise konservative Branche. Viele Fachbesucher verbinden die Security Essen nach wie vor mit mechanischer Sicherungstechnik, Zutrittskontrolle, Videoüberwachung oder Leitstellentechnik. Das neue Konzept verlangt daher auch ein Umdenken auf Seiten der Besucher. Die Verbindung von ziviler Sicherheit, Resilienz, Bevölkerungsschutz und verteidigungsnahen Themen erschließt sich nicht zwangsläufig auf den ersten Blick – sie muss erklärt und in einen fachlichen Kontext eingeordnet werden.

Dennoch spiegelt dieser Schritt letztlich die sicherheitspolitische Realität wider. Spätestens seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wird Sicherheit in Europa umfassender gedacht. Der Schutz Kritischer Infrastrukturen, die Widerstandsfähigkeit von Wirtschaft und Verwaltung sowie die Zusammenarbeit ziviler und staatlicher Akteure gewinnen kontinuierlich an Bedeutung. Dass diese Themen künftig auch auf Fachmessen stärker zusammengeführt werden, erscheint daher folgerichtig – selbst wenn dieser Wandel Zeit benötigt, um sich in einer traditionell geprägten Branche vollständig zu etablieren.

Akzeptanz braucht Zeit

Mit der inhaltlichen Weiterentwicklung der Security Essen verändert sich jedoch nicht nur das Messeangebot, sondern auch die Erwartungshaltung ihrer Besucher. Die Sicherheitswirtschaft gilt traditionell als innovationsfreudig, gleichzeitig aber als vergleichsweise konservative Branche. Neue Technologien werden häufig erst dann breit akzeptiert, wenn ihr praktischer Nutzen eindeutig belegt ist. Das gilt nicht nur für Produkte, sondern ebenso für neue Veranstaltungs- und Messekonzepte.

Die Security Essen trägt dieser Entwicklung Rechnung. Statt möglichst viele Themen nebeneinanderzustellen, setzt sie 2026 auf eine klarere thematische Struktur und konzentriert sich stärker auf die Fragestellungen, die die Branche derzeit tatsächlich bewegen. Der Fokus liegt auf Qualität statt Quantität – sowohl bei den Inhalten als auch bei den Zielgruppen.

Für viele langjährige Besucher bedeutet dies jedoch zunächst eine Umstellung. Über Jahrzehnte stand die Messe vor allem für klassische Sicherheitstechnik. Heute bilden Resilienz, KRITIS, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Leitstellen, Cybersecurity und Bevölkerungsschutz ein gemeinsames Themenfeld. Dass mit der parallel stattfindenden Euro Defense Expo (EUDEX) erstmals auch verteidigungsnahe Fragestellungen stärker eingebunden werden, unterstreicht diesen Wandel zusätzlich.

Gerade diese Neuausrichtung wird Zeit benötigen, um sich im Markt vollständig zu etablieren. Besucher müssen das neue Konzept zunächst kennenlernen und verstehen, warum die Grenzen zwischen physischer Sicherheit, Cybersecurity, Bevölkerungsschutz und Verteidigung zunehmend verschwimmen. Die Veranstalter verfolgen damit keinen Bruch mit der Vergangenheit, sondern reagieren auf ein Sicherheitsverständnis, das sich in Wirtschaft, Behörden und Politik in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat.

Qualität statt Rekordzahlen

Mit dieser Entwicklung verändert sich zwangsläufig auch der Maßstab, an dem eine Fachmesse gemessen wird. Noch vor rund zehn Jahren galt die Security Essen als unangefochtene Weltleitmesse der Sicherheitswirtschaft. Die Branche war breiter aufgestellt, internationale Wettbewerber konzentrierten sich stärker auf Essen und die Besucherzahlen standen häufig im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Heute präsentiert sich die Messe bewusst kompakter. Gleichzeitig ist die Sicherheitswirtschaft deutlich spezialisierter geworden. Neben der Security Essen haben sich europaweit weitere Fachveranstaltungen etabliert, während Digitalisierung und virtuelle Kommunikationsformate den fachlichen Austausch ganzjährig ermöglichen. Erfolg bemisst sich daher längst nicht mehr ausschließlich an der Zahl der Besucher.

Entscheidend ist vielmehr, ob die richtigen Menschen zusammenkommen. Betreiber Kritischer Infrastrukturen, Sicherheitsverantwortliche aus Industrie und öffentlicher Verwaltung, Planer, Integratoren, Errichter, Hersteller und Behördenvertreter suchen heute den fachlichen Austausch auf Augenhöhe. Für viele Aussteller dürfte deshalb weniger die absolute Besucherzahl ausschlaggebend sein als die Qualität der Gespräche, die Zahl konkreter Projekte und die Möglichkeit, mit den relevanten Entscheidern in Kontakt zu treten.

Gerade in einem zunehmend spezialisierten Markt gewinnt diese Qualität der Begegnungen weiter an Bedeutung. Die Security Essen versteht sich deshalb immer stärker als Arbeitsmesse und Netzwerkplattform – ein Ort, an dem strategische Partnerschaften entstehen, regulatorische Entwicklungen diskutiert und gemeinsame Lösungen für komplexe Sicherheitsaufgaben entwickelt werden.

Mehr als eine Fachmesse

Bemerkenswert an der diesjährigen Pressekonferenz war schließlich weniger die Vorstellung einzelner Innovationen als vielmehr die große Übereinstimmung der unterschiedlichen Akteure. Obwohl Vertreter von Messe, Verbänden und Unternehmen verschiedene Themen adressierten, beschrieben sie letztlich dieselbe Entwicklung: Sicherheit wird ganzheitlicher, vernetzter und strategischer gedacht als jemals zuvor.

Genau darin liegt die eigentliche Botschaft der Security Essen 2026. Sie präsentiert nicht nur neue Produkte oder Technologien, sondern dokumentiert den Wandel einer gesamten Branche. Physische Sicherheit, Cybersecurity, Resilienz, Künstliche Intelligenz, regulatorische Anforderungen und Schutz Kritischer Infrastrukturen lassen sich heute nicht mehr getrennt voneinander betrachten. Sie bilden gemeinsam die Grundlage moderner Sicherheitskonzepte.

Zukunft und Herausforderungen

Die Security Essen 2026 versteht sich zunehmend als Spiegelbild einer Sicherheitswirtschaft im Wandel. Digitalisierung, Resilienz, integrierte Sicherheitsplattformen und neue regulatorische Anforderungen verändern die Branche nachhaltig. Gleichzeitig zeigt die stärkere Einbindung von Bevölkerungsschutz und verteidigungsnahen Themen, dass Sicherheit heute umfassender gedacht wird als noch vor wenigen Jahren.

Die eigentliche Herausforderung besteht dabei nicht allein darin, neue Technologien zu präsentieren, sondern ein verändertes Sicherheitsverständnis zu vermitteln. Gerade in einer traditionell geprägten Branche braucht ein solcher Wandel Zeit. Wer die Entwicklung jedoch aufmerksam verfolgt, erkennt, dass die Security Essen damit nicht ihre Identität aufgibt, sondern sie konsequent weiterentwickelt.

Vielleicht liegt genau darin ihre größte Stärke. Nicht die Zahl der ausgestellten Produkte oder neue Besucherrekorde entscheiden künftig über den Erfolg der Messe, sondern ihre Fähigkeit, die entscheidenden Fragen einer Branche sichtbar zu machen, deren Aufgaben angesichts geopolitischer Spannungen, wachsender regulatorischer Anforderungen und neuer technologischer Möglichkeiten komplexer sind als je zuvor. In diesem Sinne dürfte die Security Essen 2026 weniger als klassische Produktschau in Erinnerung bleiben – sondern als Plattform für die strategische Diskussion über die Zukunft der Sicherheit. [DCM]

Related Articles

Europol geht gegen extremistisches Online-Netzwerk „The Com“ vor

Internationale Aktion gegen nihilistisch-gewaltorientierte Propaganda und Radikalisierung Minderjähriger Den Haag. Mit einer europaweit koordinierten Aktion hat Europol gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden aus neun Ländern ein deutliches Signal gegen das...

Share This